Aller Anfang …

erzählt von Gerhard Gottaut, aufgeschrieben von Detlev Gottaut

Das Schwerste bei jedem Weg, egal ob er lang ist oder kurz, ist die Entscheidung aufzustehen und den ersten Schritt zu tun. Immer wieder hatte ich vor, einmal alles aufzuschreiben, was in meinem Leben so passiert ist, doch bekanntlich ist aller Anfang schwer.

Ich bin Jahrgang 24. Man bedenke: Neunzehnhundertvierundzwanzig! Da kommt schon einiges zusammen: Eine Jugend ohne Fernsehen, ohne elektrischen Strom! Filme in schwarzweiß. Ein Krieg! Die erste Mondlandung, Aller Anfang … weiterlesen

Geboren am …

Geboren am – so beginnen für gewöhnlich alle Lebensläufe. Die von bedeutenden Menschen und von den nicht ganz so bedeutenden. Von solchen, die Weltgeschichte machten und auch die der ungezählten Namenlosen, die von der Weltgeschichtliche überrollt und mitgeschleift wurden.

Meine Geschichte beginnt am 16. Januar 1924. Eigentlich schon früher, nämlich mit Geboren am … weiterlesen

In der Lomse

Wir wohnten in der Lomse, Vorderlomse 1b. Sechs Stockwerke grau verputzter Backstein – drei Wohnetagen und auf jeder vier Wohnungen. Parterre wohnte wohl keiner, ich erinnere mich nur an Abstellräume. Unterm Dach zwei Speicherböden. Die Königsberger nannten es, zusammen mit der Haushälfte 1c, das 1000-Seelen-Haus. 1b war rechts.

Gegenüber, Haus Nummer 40, war die Bäckerei Giedigkeit. „Giedichkeit, die Welt vergeiht …“, reimten die Lorbassje auf der Straße laut und dreist. Die Backstube In der Lomse weiterlesen

Königsberger Platt

Ich werde oft gefragt, wie unser Königsberger Dialekt geklungen hat. Wir sprachen Plattdütsch, Königsberger Platt. Nicht dieses Ostpreußisch, wie man gemeinhin, aber irrig annimmt. Unser Platt ähnelte stark den anderen norddeutschen und friesischen Dialekten. In der Schule wurden wir angehalten, Hochdeutsch zu sprechen. Das änderte sich, sobald wir den Schulhof verließen. Zum Beispiel klangen unsere Abzählreime so: Königsberger Platt weiterlesen

1942 – 1945

Zur Fliegerei kam ich über Umwege. Das war 1942. Deutschland befand sich seit fast 3 Jahren im Krieg. Eigentlich wollte ich zu den Fallschirmjägern, damals die Helden der Nation, so wie Schmeling, unser „Maxe“. Es gab aber auch einen weniger hehren, durchaus eigennützigen Grund: Ich meldete mich freiwillig zur Wehrmacht, um dem Reichsarbeitsdienst (RAD) zu entgehen. Stechschritt mit Spaten und „Präsentiert die Schippe!“ – das war nichts für Opas Enkel.

Leider stellte man bei der Musterung fest, dass ich auf einem Auge nicht die volle Sehschärfe besaß. Ich merkte zwar nichts davon, aber so wurde es mir mitgeteilt. Mit dem Fallschirmspringen war’s also Essig. Auf meine Frage, was ich denn sonst werden könnte, lautete die Antwort: 1942 – 1945 weiterlesen